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Die St.-Pauls-Kirche

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Läuft man in Manhattan die 22. Straße zwischen der 8. und 9. Avenue entlang, erwartet kaum jemand  mitten in der Eintönigkeit der »Brown-stone houses« von Chelsea ein derartiges Juwel wie die St.-Pauls-Kirche anzutreffen. 1897 erbaut, fügt sich das Kirchengebäude nahtlos in die Häuserfront des ruhigen Viertels ein. Deshalb ist erst auf den zweiten Blick zu erkennen, dass man vor einem historisch wertvollen und intakten Beispiel für den Sakralbaustil der Jahrhundertwende steht. Etliche Film- und Fernsehfilme wurden schon in St. Pauls gedreht, weist sie doch alle klassischen Merkmale eines Gotteshauses auf.

sp frontalVon außen gleitet der Blick zunächst über die lebhaft gegliederte, symmetrisch angelegte Fassade. Die Mittelachse betont das Hauptportal im Erdgeschoss und ein aufwendiges, mehrteiliges Fenster im Obergeschoss, dessen Maßwerk drei lanzettförmige vertikale Einsätze und darüber die traditionelle Rose beschreibt. Diese ziert auch die Anfangsseite unserer Homepage. Die reliefhafte Umrahmung gipfelt in einem Spitzgiebel, dem so genannten Wimperg. Die Symmetrieachse endet schließlich in dem steinernen Kreuz, welches auf der Spitze des schiefergedeckten Daches sitzt.

sp innenDie eigentliche Überraschung der Kirche ist jedoch der Innenraum: Niemand bleibt unbeeindruckt, wie sich mitten in einem engen Wohnviertel plötzlich ein 27,5 m langer, 14 m breiter und sehr luftiger Raum auftun kann. Der sich in das Hauptschiff und zwei Seitenschiffe aufgliedernde Raum beeindruckt sofort durch seine Stimmigkeit. Verstärkt wird dies durch die Bündelpfeiler mit Akanthusblatt-Kapitellen, die den Blick zur Decke mit dem schlichten, wohlproportionierten Netzgewölbe und hängenden Schlusssteinen lenken. Auch die Wände der fünfteiligen, relativ flachen Apsis überzieht ein Netzwerk, welches die Fensteröffnungen umrahmt. Was man von aussen niemals erahnen würde, kann man jetzt nachvollziehen: die Kirche bietet inklusive Empore 570 Sitzplätze.

sp kanzelAltar, Kanzel und Lesepult sowie Nummerntafeln stammen aus der Werkstatt Semmann Wagerin & Co. In Milwaukee und variieren gotische Motive wie Spitzbogen mit Maßfiguren sowie Drei- und Vierpässe, zierliche Säulen und Wimperge. Der feingeschnitzte Altaraufsatz stellt eine fünfschiffige Kirche im Querschnitt dar. Die Mittelnische, welche der Apsis entspricht, bildet den Rahmen für ein Messing-Kruzifix, dessen Balken in Vierpässen enden.

Gedenktafeln an den Wänden sind verstorbenen Pastoren und Gemeindegliedern gewidmet oder erinnern an besondere Ereignisse aus dem Leben der Gemeinde.

sp inriDie fünf Bildfenster der Apsis stammen aus der Münchener Hofkunstanstalt Mayer & Co. Jedes der fünf Fenster illustriert das Geschehen des Kirchenjahres. Bedeutungsgemäß steht die Kreuzigung im Mittelpunkt des Zyklus. Dabei trifft der vertikale Kreuzbalken genau auf die Mittelachse der Kirche. Der Gekreuzigte ist der sogenannte Dreinageltypus der Gotik: In sich zusammengesunken, mit abgewinkeltem Haupt, hängt der Körper vor einer blutroten Gloriole, die nach unten von schematisch sich kräuselnden Wolken abgegrenzt wird.

Oster- und Himmelfahrtsfenster flankieren das Mittelfenster. Durch die Siegesfahne als der Auferstandene gekennzeichnet erscheint Christus   der knienden Maria Magdalena. Sie hat das Salbgefäß abgestellt, um sich tastend von der Leibhaftigkeit Christi zu überzeugen. Seine ermahnend erhobene Rechte aber unterstützt das Verbot, in anzurühren. „Noli me tangere!“ heißt die Szene deshalb.

Im Weihnachtsfensterscheinen die Anbetung der Hirten und die Darstellung im Tempel ineinander überzugehen. Der Alte mit Bart und langem weißen Haar (Simeon?) kniet vor dem Kind, welches sich der Mutter zuwendet und ihr die Ärmchen entgegenstreckt.

sp apsisDie beiden rechten Fenster schließlich illustrieren Christi Himmelfahrt und die Ausgießung des Heiligen Geistes. Beide richten sich nach traditionellen Vorbilder aus: Von einer hellblauen Wolke umfangen entschwebt Christus aus der Mitte der Jünger; die Darstellung des Pfingstwunders bedient sich er bekannten Symbolik der züngelnden Flammen und der Taube im Strahlenkranz.

(Beschreibungen stammen teilweise   aus der Festschrift zum 150 jährigen Bestehen der St. Pauls-Kirche »Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt«)

Hier gibt es einen 360° Kameraschwenk des Kirchenraums (Achtung: große Datei)

Die Kirche kann in der Regel von Dienstag bis Donnerstag zwischen 10 und 17 Uhr besichtigt werden. Bitte benutzen Sie die Klingel an der Tür.

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